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Die 10 grössten Irrtümer der Informationssicherheit

03/2026 – Fachartikel Swiss Infosec AG

Warum echte Sicherheit mehr ist als Technik und Tools

Informationssicherheit ist heute in aller Munde: Cyberangriffe, Datenschutzverletzungen und neue regulatorische Anforderungen sorgen dafür, dass Unternehmen investieren und Massnahmen ergreifen. Dennoch begegnen uns in der Praxis immer wieder dieselben Missverständnisse.

Auch wenn häufig von Cybersecurity gesprochen wird, umfasst Informationssicherheit den ganzheitlichen Schutz von Daten, Systemen und Organisationen – dieser Begriff steht im Mittelpunkt dieses Beitrags.

Wer Informationssicherheit nachhaltig verbessern möchte, sollte die häufigsten Denkfehler kennen. Hier werden die zehn häufigsten Irrtümer aus der Praxis aufgezeigt und erläutert, warum sie Unternehmen oft mehr kosten als gedacht.


1. «Wir sind zu klein, um ein Ziel zu sein»

Ein weit verbreiteter Irrtum: Nur grosse Unternehmen seien für Hacker interessant. Die Realität sieht anders aus.

Gerade kleine und mittlere Organisationen werden häufig angegriffen, weil sie oft weniger gut geschützt sind. Automatisierte Angriffe machen keinen Unterschied zwischen Konzern und KMU – sie suchen nach Schwachstellen, nicht nach Firmennamen.

🎯 Informationssicherheit ist keine Frage der Grösse, sondern der Angriffsfläche.


2. «Ein Firewall-System reicht aus»

Firewalls sind wichtig – aber sie sind nur ein Baustein.

Wirksame Informationssicherheit entsteht nicht durch eine einzelne technische Lösung, sondern durch das Zusammenspiel aus klaren Prozessen, geeigneten Schutzmassnahmen, organisatorischen Verantwortlichkeiten und dem Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeitenden.

🛡️ Echte Informationssicherheit ist daher immer ein ganzheitlicher Ansatz – nicht nur ein Produkt, das man installiert.


3. «Informationssicherheit ist ein IT-Thema»

Ein Klassiker.

Informationssicherheit betrifft die gesamte Organisation: Geschäftsleitung, HR, Einkauf, Produktion, Compliance und alle Mitarbeitenden.

Die IT kann technische Schutzmassnahmen umsetzen – aber Informationssicherheit ist eine Führungsaufgabe und Teil der Unternehmenskultur.

🏢 Informationssicherheit ist Verantwortung der gesamten Organisation.


4. «Wir sind compliant, also sind wir sicher»

Compliance ist wichtig, aber sie garantiert keine Sicherheit.

Ein Unternehmen kann sämtliche Anforderungen formal erfüllen und dennoch verwundbar bleiben, wenn Risiken falsch eingeschätzt oder Massnahmen nur «für die Prüfung» umgesetzt werden.

📋 Informationssicherheit ist gelebte Praxis, nicht Papier.


5. «Ein ISMS ist nur Bürokratie»

Viele verbinden ISO/IEC 27001 mit Dokumentation und Aufwand.

Richtig umgesetzt unterstützt ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) dabei:

  • Risiken systematisch zu bewerten
  • Verantwortlichkeiten klar zu definieren
  • Sicherheitsmassnahmen messbar zu machen
  • kontinuierliche Verbesserungen umzusetzen

⚙️ Ein ISMS schafft Struktur, Transparenz und Steuerbarkeit statt Papierarbeit.


6. «Technologie löst alle Probleme»

Zero Trust, KI-basierte Security Tools, SOC-Plattformen – alles sinnvoll.

Aber: Angriffe nutzen oft menschliche Schwächen aus, nicht technische.

Phishing, Social Engineering oder Fehlkonfigurationen lassen sich nicht allein durch Technologie verhindern.

Der Mensch bleibt ein zentraler Faktor.

🤖 Technologie ist hilfreich, ersetzt aber keine Sicherheitskultur.


7. «Unsere Mitarbeitenden sind das grösste Risiko»

Mitarbeitende sind nicht das Problem – sondern ein zentraler Teil der Lösung.

Mit klaren Regeln, Schulungen und einer offenen Sicherheitskultur können Mitarbeitende zur stärksten Verteidigungslinie werden.

👥 Sicherheit entsteht durch Befähigung, nicht durch Misstrauen.


8. «Wir machen einmal im Jahr ein Audit, das genügt»

Informationssicherheit ist kein Projekt mit Enddatum.

Risiken verändern sich laufend: neue Systeme, neue Lieferanten, neue Bedrohungen.

Informationssicherheit muss sich kontinuierlich verbessern und sich den Bedrohungen anpassen.

Ein Audit ist ein Meilenstein – aber kein Abschluss.

🔄 Informationssicherheit ist ein kontinuierlicher Prozess, kein Jahresprojekt.


9. «Backups bedeuten, wir sind geschützt»

Backups sind essenziell – aber nur, wenn sie auch funktionieren.

Sie helfen nur dann, wenn sie:

  • regelmässig getestet werden
  • geschützt oder offline gespeichert sind
  • realistische Wiederherstellungszeiten ermöglichen

Ransomware-Angriffe zielen oft gezielt auch auf Backup-Systeme.

💾 Backup ist Teil der Resilienz – nicht die gesamte Sicherheitsstrategie.


10. «Informationssicherheit kostet nur Geld»

Sicherheitsmassnahmen verursachen Aufwand – aber Sicherheitsvorfälle kosten meist deutlich mehr:

  • Betriebsunterbruch
  • Reputationsschäden
  • Vertragsstrafen
  • regulatorische Konsequenzen
  • Verlust von Kundenvertrauen

Informationssicherheit und ein wirksames ISMS stärken die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

💡 Informationssicherheit ist eine Investition in Stabilität und Vertrauen.


Fazit: Sicherheit beginnt mit dem richtigen Verständnis

Die grössten Schwachstellen entstehen nicht durch fehlende Technik, sondern durch falsche Annahmen.

Ein wirksames Informationssicherheitsprogramm – bspw. ein ISMS nach ISO/IEC 27001 – hilft Unternehmen, Informationssicherheit strukturiert, pragmatisch und nachhaltig umzusetzen – von der Risikoanalyse bis zur kontinuierlichen Verbesserung.

Denn Informationssicherheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess.


Möchten Sie wissen, wie gut Ihre Organisation im Bereich Informationssicherheit aufgestellt ist?
Die Swiss Infosec AG unterstützt Unternehmen und Institutionen beim Aufbau und Betrieb eines ISMS nach ISO/IEC 27001 – praxisnah, auditfähig und abgestimmt auf Ihre Anforderungen.

Gerne stehen wir für ein unverbindliches Gespräch oder eine erste Standortbestimmung zur Verfügung.

Swiss Infosec AG; 2.3.2026
Kompetenzzentrum Consulting, +41 41 984 12 12, infosec@infosec.ch


Einsatz von Textgenerierungs-KI bei besonders schützenswerten Daten im HR und im Gesundheitswesen

12/2025 – Fachartikel Swiss Infosec AG

Einsatz von LLMs

Künstliche Intelligenz (KI) wird im Berufsalltag immer mehr eingesetzt. Dazu gehört auch der Einsatz von Textgenerierungs-KI (Large Language Models, LLMs), die in der Lage sind, komplexe Inhalte aufzubereiten und sprachlich zu verfeinern. Dieser Beitrag richtet sein Augenmerk auf den datenschutzkonformen Einsatz von LLMs bei der Bearbeitung von besonders schützenswerten Daten im HR und im Gesundheitswesen am Beispiel der Gesundheitsdaten.

Im HR-Bereich verspricht der Einsatz von LLMs erhebliche Effizienzgewinne: Texte für internes Absenzenmanagement, Wiedereingliederungsmassnahmen oder Schreiben an Versicherungen lassen sich mit LLMs wesentlich schneller erstellen. Im Gesundheitswesen werden LLMs zunehmend etwa bei der Erstellung medizinischer Berichte, der sprachlichen Bearbeitung von Anamnesen oder bei Anträgen für Kostengutsprachen eingesetzt.

Gesundheitsdaten als besonders schützenswerte Daten

Solche Datenbearbeitungen enthalten Gesundheitsangaben über Mitarbeitende oder Patientinnen und Patienten. Dies stellt die betroffene Organisation vor erhebliche datenschutzrechtliche Herausforderungen: Gesundheitsdaten gehören zu den besonders schützenswerten Personendaten nach Art. 5 lit. c DSG sowie auch nach den jeweils einschlägigen kantonalen Datenschutzgesetzen. Diese Daten weisen einen besonders hohen Schutzbedarf auf, insbesondere in Bezug auf die Weitergabe an Dritte und den Einsatz adäquater Auftragsbearbeiter.

Risiken beim Einsatz von LLMs und Lösungsansätze

Gerade beim Einsatz externer KI-Anbieter besteht das Risiko, dass die eingegebenen Daten vom LLM zu eigenen Trainingszwecken verwendet werden. Dies kann zu schwerwiegenden Konflikten mit dem Berufs- oder Amtsgeheimnis sowie mit kantonalen Gesundheitsgesetzen führen: Eine Übermittlung an Drittanbieter kann eine unzulässige Geheimnisentbindung darstellen. Auch Gesundheitsdaten ohne Patientenbezug, wie etwa im HR, dürfen nicht ohne hinreichende Rechtsgrundlage oder Einwilligung der Betroffenen an Dritte übermittelt werden.

Infolgedessen ist die Nutzung von LLMs durch externe Anbieter regelmässig als Auftragsbearbeitung auszugestalten: In einer Auftragsbearbeitungskonstellation liegt nämlich keine Weitergabe an Dritte vor; ein Auftragsbearbeiter bearbeitet Personendaten ausschliesslich im Auftrag und im Interesse des Verantwortlichen und ist rechtlich an dessen Weisungen gebunden. Dafür bedarf es eines rechtskonformen Auftragsbearbeitungsvertrags, was allerdings von kostenfreien KI-Diensten in der Regel nicht angeboten wird, sondern oft Bezahlversionen vorbehalten ist.

Gleichwohl genügt ein Abschluss eines Auftragsbearbeitungsvertrages alleine noch nicht. Entscheidend bleibt die tatsächliche Ausgestaltung der Datenbearbeitung. Bei besonders schützenswerten Daten gelten zudem erhöhte Sicherheitsanforderungen mit klar geregelten Speicherorten, technischen und organisatorischen Massnahmen und Ausschluss der Verwendung der Daten für eigene (Trainings-)Zwecke. Unter Umständen kann auch eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich sein, insbesondere, wenn die Organisation dem kantonalen Datenschutzrecht untersteht.

Gegenüber den Mitarbeitenden sind zudem klare Vorgaben zu machen. Bei der Verwendung von LLMs besteht oft die Versuchung – wenn auch unbewusst –, zu viele Informationen preiszugeben, indem vertrauliche Angaben ungefiltert in das KI-Tool kopiert werden. Organisationen sollten deshalb interne Weisungen aufstellen, welche KI-Tools für welche Situationen mit Eingabe welcher Datenarten erlaubt sind. Ebenso zentral ist eine kontinuierliche Sensibilisierung der Mitarbeitenden, damit sie die Risiken kennen und die internen Vorgaben zuverlässig anwenden.

Die Spezialisten von der Swiss Infosec AG helfen Ihnen gerne weiter beim korrekten Einsatz von KI in Ihrer Organisation. In Bezug auf den Umgang mit Gesundheitsdaten finden Sie zudem in unserer Health & Privacy-Reihe weitere Informationen und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Swiss Infosec AG; 3.12.2025
Kompetenzzentrum Datenschutz, +41 41 984 12 12, infosec@infosec.ch


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