Warum Sie von diesen Sex-Toys besser die Finger lassen sollten

Warum Sie von diesen Sex-Toys besser die Finger lassen sollten

02/2019

Unser Alltag wird immer digitaler. Von der Uhr über den Kühlschrank bis zum ganzen Eigenheim kann mittlerweile fast alles über Wlan verbunden und mit einer Handy-App gesteuert werden. „Smart“ nennt sich das dann und die Erotik-Industrie wird auch davon beeinflusst.

 

Sexspielzeuge können mittlerweile auch mit einer zugehörigen App auf dem Smartphone gesteuert werden. Wer das? Zum Beispiel Menschen in Fernbeziehungen, sagen die Hersteller solcher „Smart Sex Toys“. Über die App kann der Partner das Spielzeug von jedem Ort der Welt bedienen. Das macht doch niemand! Scheinbar doch: Ein Blick auf die Downloadzahlen solcher Apps legt den Schluss nahe, dass mehrere Millionen Menschen weltweit diese Spielzeuge nutzen.

 

Was sich nach einem verrückten, aber doch eher harmlosen Spass anhört, hat einen grossen Haken. Viele dieser Apps bieten neben der Fernsteuerung auch Chat-Funktionen an, über die Nutzer auch Fotos oder Videos austauschen können. Und Verbindungen via Bluetooth. Und genau da liegt das Problem, denn wie ein Hacker jetzt herausgefunden hat, weisen diese Spielzeuge in puncto IT-Sicherheit enorme Lücken auf.

 

Hacker hat die Sicherheit von Sex-Toy-Apps getestet

Der IT-Sicherheitsberater Werner Schober hat auf dem Hacker-Kongress 35C3 in Leipzig einen Vortrag über solch unsichere Sexspielzeuge gehalten. Dort verkündete er, dass es ihm bei dem Vibrator „Panty Buster“ von Vibratissimo gelungen sei, Zugriff auf die Datenbank aller angemeldeten Nutzer zu erlangen. Er fand unverschlüsselte Nutzerinformationen zur sexuellen Orientierung, Passwörter und Fotos.

 

Ausserdem sei es möglich, mit der dazughörigen App den Vibrator aus der Nähe via Bluetooth zu steuern, d.h. also auch ohne Einverständnis oder Wissen der Person, die das Spielzeug trägt. Der Hersteller habe erklärt, dass das absichtlich so möglich sei, so etwa für den Einsatz auf Swinger-Partys.

 

Der „Panty Buster“ ist kein Einzelfall

Auch andere IT-Experten haben sich bereits mit smarten Sexspielzeugen beschäftigt und sind zu ähnlich beunruhigenden Ergebnissen gekommen. Erst 2017 musste die Firma We-Vibe mehrere Millionen Dollar Strafe zahlen, weil die zur Bedienung des Sexspielzeuges nötige App intime Informationen der Besitzer an die Firma schickte. Unter anderem wann und wie oft das Gerät genutzt wurde sowie die eingestellte Temperatur und Intensität der Vibration. Ebenfalls im Jahr 2017 machten britische IT-Experten deutlich, wie einfach die eingebaute Kamera eines Vibrators der Marke Svakom zu hacken ist.Ausserdem war es möglich, Nutzer des Vibrators zu orten. Ein Vibrator des Herstellers Lovesense, der ebenfalls über eine App steuerbar ist, zeichnete in der Android-Version der App Audiodateien während der Nutzung auf und speicherte diese im Medienordner des Smartphones.

 

Berliner-kurier.de; 03.01.2019

https://www.berliner-kurier.de/ratgeber/digital/hacker-warnt-warum-sie-von-diesen-sex-toys-besser-die-finger-lassen-sollten-31821842