Es braucht nicht viel


01/2018

Eine unbekannte Person machte sich im September dieses Jahres via Internet am Abwassernetz einer deutschen Stadt zu schaffen: aus den USA verschaffte er sich Zugang zu den Pumpensteuerungssystemen. Diese Systeme aus Rohren, Sammelbecken, Schiebern und Pumpen sind miteinander vernetzt und können von einer Leitzentrale aus gesteuert werden. Teils sind diese Anlagen mit eigenen Glasfasersträngen verbunden, teils sind sie aber auch via Modems u.ä. an das Internet angebunden.

Die grosse Zahl von Endpunkten bietet einem Hacker Tausende von Möglichkeiten, das erwähnte Abwassernetz zu attackieren. Würde es stark regnen, könnten Angreifer eine Stadt weitgehend lahmlegen: Überschwemmungen, nicht gereinigte Abwässer, die sich zurückstauen, möglicherweise sogar Überflutungen durch sanitäre Abwässer in den Strassen. Pech für den Angreifer war jedoch, dass der Angriff erkannt wurde und Gegenmassnahmen ergriffen werden konnten.

 

Es geht hier aber nicht nur um Abwasser in der Strasse und möglicher damit einhergehender Gefährdungen. Regierungen sind sich bewusst, dass nebst Stromversorgern kritische Infrastrukturen wie Banken, das Gesundheitswesen, Medien und andere ähnliche Einrichtungen immer wieder das Ziel von Cyberattacken sind.
Ob das Motiv nun darin besteht, Geld zu erpressen oder ob es darum geht, Angst, Schrecken und Verunsicherung zu verbreiten – die Anfälligkeit einer Hochleistungsgesellschaft steigt mit der fortschreitenden Vernetzung, die Verwundbarkeit wächst exponentiell. Sabotageattacken seien daher in Betracht zu ziehen, schreibt die Behörde. Und: Dass dabei Menschen zu Schaden kommen könnten, sei "ebenfalls einzukalkulieren".

 

Terroranschläge über das Internet sind schon längere Zeit möglich, jedoch aufwendig und kostspielig. Momentan wird eher davon ausgegangen, dass sich Nationalstaaten solcher Mittel bedienen, jedoch ist es gut möglich, dass mit der zunehmenden Vernetzung und seitens Angreifern gewachsenem Know-how sich dieser Schwerpunkt auf Cyberkrieger aller Couleur verlagern könnte.

 

Spiegel.de; Jörg Diehl, Nicolai Kwasniewski, Fabian Reinbold; 07.12.2017
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/so-bedrohen-hacker-wasserversorgung-stromnetz-und-kliniken-a-1181325.html

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